WELTWEITE DIABETES EXPLOSION und was nun?
Sprunghaft nimmt der Diabetes weltweit zu. Diabetes ist schon jetzt die häufigste nicht übertragbare Seuche der Welt. Im Jahr 2003 waren 194 Millionen Menschen erfasst, 2007 bereits 246 Millionen. Im Jahr 2003 prognostizierte die Internationale Diabetes Federation (IDF) für 2025 mindestens 333 Millionen Diabeteserkrankte. Die Zahl ist schon wieder überholt.
Mindestens weitere 150 bis 200 Millionen Menschen befinden sich im Vorstadium eines behandlungsbedürftigen Diabetes mellitus. Von der Diabetes-Explosion besonders betroffen sind Länder, die sich schnell den Gepflogenheiten der Industriegesellschaften öffnen und ihrer Traditionen beraubt werden. Das moderne Schlagwort „the american way of life“ – schneller, höher, weiter, Profit um jeden Preis, fast food und bewegungsarmer Konsumrausch - überfordert unsere Gene. So zeigt sich, dass Emigranten, die aus traditionell anders gewachsenen Kulturkreisen kommen, häufiger Diabetes aufweisen als die urbane Bevölkerung des entsprechenden Landes. Menschen in ländlichen Gebieten haben weniger Diabetes als Menschen in hektischen Großstädten. Länder mit einem tief verinnerlichten Traditionsbewusstsein weisen eine deutlich geringere Diabetes-Wachstumsrate auf.
Der Preis der Überforderung unserer Erbanlagen bedeutet für Millionen von Menschen die Entwicklung der Zuckerkrankheit. Ein spannendes und zugleich erschreckendes gesellschaftskritisches Thema der Gegenwart und somit auch unserer Zukunft, das sicher noch in zahlreichen unterschiedlichen Facetten beleuchtet werden muss. Ist der Diabetes mellitus oder besser vielleicht das Hyperglykämie-Syndrom ein Stress-Umwelt-Überforderungssyndrom?
Sie werden sich fragen, was habe ich persönlich damit zu tun.
Einerseits wenig, denn ein Einzelner wird kaum diesen vereinheitlichenden Globalisierungsbrei, diesen Marathon der zerstörerischen Lawine verhindern können. Die Mehrzahl der Regierungen der Industriestaaten zeigt auch wenig Intension das Zusammenwachsen der Welt behutsam unter Wahrung der Traditionen zu betreiben. Diabetes ist zwar in vielen Aktionsprogrammen aufgelistet, aber verraucht in der Praxis wie ein Wahlprogramm nach der Wahl. Das hat auch seine Gründe: Diabetes ist in den ersten Jahren nach Feststellung eher eine unauffällige Erkrankung, scheinbar nicht wirklich eine Seuche und hat leider in der Arbeitswelt noch allzu häufig den Makel einer geringeren Belastbarkeit anhaftend. Erst im Laufe der Jahre, zeigt der Diabetes bei schlechter Einstellung seine schädigenden Auswirkungen. Schade, dass Politiker bekanntermaßen nur in Wahlperioden, also zeitlich begrenzt denken und somit im Management komplexer, lebenslanger chronischer Krankheiten, bei deren Behandlung der Mensch im Mittelpunkt steht, leider versagen.
Aber das ist kein Grund, warum sich jeder Einzelne davon anstecken lassen muss – schließlich geht es um das eigene Leben. Insofern hat jeder für sich mit diesen gesicherten Erkenntnissen, dem Umwelt-Überforderungssyndrom der individuellen Gene, schon etwas zu tun. Denn er sollte etwas für sich selbst tun.