Was macht Diabetes so gefährlich?
Erhöhte Blutglukose allein verursacht bekannterweise keine Schmerzen oder eine Beeinträchtigung des Wohlbefindens, wohl aber in Abhängigkeit von der "Güte" des Stoffwechsels und der Diabetesdauer - unabhängig vom Alter können sich sekundäre Gefäßkomplikationen entwickeln. Wenn der Blutzucker über Jahre schlecht eingestellt ist, dann entstehen Folgeerkrankungen - das ist die bittere Wahrheit.
Niemand soll sich einreden lassen, dass aufgrund eines fortgeschrittenen Alter (was ist das, ab 60 Jahre oder?) nur noch die Begleitkrankheiten behandelt
werden sollen und die Einstellung des Blutzuckers nicht mehr wichtig ist. Das ist falsch!
Niemand weiß, wie alt der Einzelne wird, aber Diabetologen wissen, wenn er älter wird, dann wird er teurer, allein durch die Komplikationen des über Jahre schlecht geführten Diabetes.
Es ist nachgewiesen, dass individuell forciert oder auch verzögert, nach durchschnittlich10 - 20 Jahren Erkrankungsdauer bei vorwiegend schlechter Stoffwechseleinstellung ein 2-6 fache höherer Anteil an Herzerkrankungen und Hirnleistungsschwäche (cerebro-vaskuläre-Insuffizienz), ein 22fach höheres Amputationsrisiko der Beine, ein 5fach höheres Erblindungsrisiko sowie ein ca. 60fach höheres Risiko für das Versagen der Nierenfunktion im Vergleich zu nichtdiabetischen Bevölkerung nachzuweisen ist. Zusätzliche Risikofaktoren wie Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck, Übergewicht und Rauchen beschleunigen den Prozess der Komplikationsentwicklung. Drücken wir es klarer aus: In Deutschland werden jährlich 27.000 Amputationen, 6.000 Neuerblindungen, 8.000 neue Dialysefälle, 27.000 Herzinfakte und 44.000 Schlaganfälle, hervorgerufen durch den Diabetes, registriert.
Die Ursache der Misere ist der erhöhte Blutzucker - die Hyperglykämie.
Der grundlegende Unterschied zwischen Diabeteserkrankten und Nichtdiabetikern ist die erhöhte Glukose im Blut. Glukose ist unsere wichtigste Energiequelle. Das Gehirn ernährt sich unter Normalzuständen zu 100% aus Glukose. Durch ein kompliziert abgestimmtes Regelsystem wird die Blutzuckerhöhe immer in konstanten Grenzen gehalten. Versagen diese unendlich komplizierten Mechanismen steigt die Glukose im Blut an und wird toxisch = schädlich. Das Fachwort dafür heißt Glukotoxizität. Die Glukose zerstört dann Zellsysteme und schließlich komplette Organe oder Organsysteme. Heute wird zumeist diese Glukotoxizität auf die Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen bezogen. Bei Typ 2 Diabeteserkrankten sinkt, wie nachgewiesen werden konnte, die Anzahl der insulinproduzierenden Zellen in Abhängigkeit von der "Güte" der Stoffwechseleinstellung. Ist die Stoffwechseleinstellung sehr gut bis gut, dann erholen sich die insulinproduzierenden Zellen und produzieren wieder Insulin. Der Körper macht in diesem Organsystem wieder seine Arbeit - was will man mehr!
Was lehrt uns, dass sich Zellen wieder neu bilden können?
Die einseitige Betrachtung der Glukotoxizität, ausschließlich auf die insulinproduzierende B-Zelle der Bauchspeicheldrüse zu zentrieren, ist falsch. Allen Organen - mal schneller, mal weniger schnell - widerfährt das gleiche Schicksal, ähnlich der untergehenden Beta-Zellmasse, wenn der Blutzucker zu hoch ist und die Glukose toxisch wird. Nahezu jedes Organ im Körper kann durch hohen Zucker beeinträchtigt und schließlich in seiner Funktion zerstört werden. Wir wissen, dass es sogenannte Prädilektionsstellen - also Vorzugsstellen gibt, an denen die erhöhte Glukose im Blut zuerst ihre schädigende Wirkung entfaltet. Dazu zählen das große und kleine Gefäßsystem. Makroangiopathien = Veränderungen an den großen Gefäßen und Mikroangiopathien = Veränderungen an kleinen Gefäßen sind die medizinischen Fachbegriffe.
Bei den großen Gefäßen sind vor allem Gefäße im Herzkreislaufsystem betroffen, so dass ca. 75% der Diabeteserkrankten frühzeitig eine Herzkranzgefäßerkrankung, einen Schlaganfall oder die Entwicklung eines diabetischen Fußes erleiden.
Bei den kleinen Gefäßen dominieren die Funktionseinschränkungen an den Nieren und Augen. Wie schon
dargestellt, ist das ein über Jahre sich entwickelnder zerstörerischer Prozess. Diesen aufzuhalten lohnt
sich!
In zahlreichen Stadien, bevor der point of no return einsetzt, kann ähnlich der Wiederherstellung der insulinproduzierenden Beta-Zelle in der Bauchspeicheldrüse, die Funktionsfähigkeit des entsprechenden Organs ohne wesentliche Beeinträchtigungen erzielt werden. "Point of no return" bedeutet, dass eine Umkehr nicht mehr möglich ist. Aber wie gesagt, davor gibt es viele Möglichkeiten der Beeinflussung.
Die Glukose im Blut als Toxin zu reduzieren, ist die vordringlichste Aufgabe.
Es gibt viele Möglichkeiten dazu. In den Industriestaaten haben wir das Glück, grundsätzlich die Therapiemöglichkeiten alle angeboten zu bekommen. Es wird nur dringend erforderlich, dass die Bürokraten der Gesundheitssysteme davon überzeugt werden, dass vorbeugen besser als heilen ist. Es ist kostengünstiger als Komplikationen zu behandeln und es ist vor allem möglich! Eine gute Behandlung des Diabetes und seiner Begleitkrankheiten erspart unendliches Leid bei den Betroffenen und Milliarden in den gebeutelten Gesundheitsressourcen, die ja jeder einzelne aufbringen muss, nicht der Staat, der nur Treuhänder unseres Geldes ist.